70 Jahre Marie Adelaide Leprosy Centre – gemeinsam auf dem Weg zu „Zero Leprosy“

Alles Begann 1956 mit einer Apotheke in einem Holzverschlag. Foto: DAHW-Archiv
Wenn das medizinische Versorgungszentrum Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) am 09. Februar 2026 sein 70 jähriges Bestehen feiert, blickt Pakistan auf eine Erfolgsgeschichte zurück, die ihresgleichen sucht.

Was 1956 in Karachi begann – mit wenigen engagierten Schwestern und dem Mut, sich einer der am stärksten stigmatisierten Krankheiten der Welt zu widmen –, ist heute ein robustes, landesweites Netzwerk. Ein Netzwerk, das Menschen mit Lepra, Tuberkulose und anderen armutsassoziierten Krankheiten seit Jahrzehnten begleitet, behandelt und stärkt. Und ein Netzwerk, das von Beginn an eng mit der DAHW verbunden war.

Diese besondere Partnerschaft beginnt Anfang der 1960er‑Jahre, als eine junge Ärztin und Ordensfrau namens Dr. Ruth Pfau durch einen Zufall in Pakistan ankommt, die große Not von Lepra betroffener Menschen erkennt – und beschließt, zu bleiben. Schon bald versteht sie, dass hier strukturelle Unterstützung notwendig ist und wendet sich 1961 an die DAHW mit der Bitte um Hilfe für ihre Arbeit, um das MALC als Versorgungszentrum zu etablieren. Die Antwort aus Würzburg kommt unmittelbar: Ja, wir stehen an eurer Seite. Damit entsteht ein Fundament, das über sechs Jahrzehnte trägt – menschlich, fachlich und organisatorisch.

Das MALC Head Office in Karachi, Pakistan. Foto: Sabine Ludwig / DAHW

1963 wird das MALC Klinikgebäude in Karachi erworben und weiter aufgebaut. Dr. Ruth Pfau wird zur treibenden Kraft für die Lepraarbeit in Pakistan: Sie behandelt über 50.000 Menschen, bildet Fachkräfte aus, baut Versorgungsstrukturen auf und wird schließlich zur nationalen Beraterin in Leprafragen ernannt – eine Rolle, die ihr den Titel „Mutter der Leprakranken“ einbringt und das Land nachhaltig verändert.

Doch so beeindruckend die medizinischen Erfolge sind – mindestens ebenso prägend ist die Idee, Menschen mit Lepra selbst in die Arbeit einzubinden. Früh erkennt Pfau, dass Teilhabe nicht nur stärkt, sondern den Teufelskreis aus Stigma und Versteckspiel durchbricht. Von Beginn an wurden auch ehemals Betroffene zu Gesundheitshelfer:innen ausgebildet – ein Ansatz, der bis heute prägt. Dieser inklusive Ansatz – damals revolutionär – zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des MALC.

Die Feier des Welt-Lepra-Tages 2013 im MALC. Foto: MALC

Lepra in Pakistan: Ein fast besiegter Feind

Heute, 70 Jahre nach seiner Gründung, zeigt sich die Kraft der Beständigkeit besonders deutlich. „Lepra ist in Pakistan so weit zurückgedrängt wie nie zuvor“, betont Anil Fastenau, DAHW-Berater für Globale Gesundheit. „In manchen Regionen erleben wir inzwischen kaum noch Neuinfektionen. Dass wir uns in Pakistan auf der „letzten Meile“ zur Eliminierung der Lepra befinden haben wir auch der jahrzehntelangen, gemeinsamen Arbeit und Aufbau eines integrierten Systems mit unserem Partner MALC zu verdanken. Heute ist es realistisch, dass wir in den kommenden Jahren in Pakistan keine neuen Lepra-Fälle mehr verzeichnen und die Übertragung langfristig unterbrochen wird.“

Dass dieser Fortschritt Realität wird, ist vor allem der außergewöhnlichen Arbeit der MALC‑Teams zu verdanken, die Menschen dort erreichen, wo Gesundheitsversorgung sonst kaum hinreicht. In mobilen Kliniken quer durchs Land, in kleinen Gesundheitsstationen, in Großstädten und abgelegenen Regionen sorgen sie für Diagnostik, Behandlung, Reha, psychosoziale Unterstützung und Aufklärung. Besonders in den ländlichen Gebieten des Südens haben diese Strukturen oft überhaupt erst die Möglichkeit eröffnet, eine Diagnose zu stellen – und damit Stigmatisierung zu verhindern, bevor sie entsteht.

Dabei bleibt die Ursprungsidee lebendig: medizinische Versorgung, die Würde schützt, Zugehörigkeit ermöglicht und Gemeinschaft stärkt. Viele Mitarbeitende, die heute beim MALC tätig sind, haben als Kinder Dr. Pfau erlebt – als Ärztin und bis heute als Vorbild. Die Geschichte des MALC ist deshalb nicht nur eine Geschichte der Medizin, sondern eine Geschichte von Mensch zu Mensch. Auch Mervyn Lobo gehörte schon sehr früh zum MALC-Erfolgsteam und arbeitete mit großer Ausdauer daran, die Krankheit einzudämmen. Bereits seit 2012 war er als CEO des MALC tätig und stets Dr. Pfaus engster Vertrauter. Als von ihr selbst aufgebauter Nachfolger führte er nach ihrem Tod bis heute ihr Lebenswerk nahtlos weiter.

2024 wurde Mervin Lobo das Bundesverdienstkreuz verliehen. Anil Fastenau war damals bei den Feierlichkeiten in Karachi. Foto: MALC

Mehr als ein Jubiläum: Ein Auftrag für die Zukunft

In Zeiten globaler Krisen gewinnt die Arbeit des MALC neue Bedeutung. Während Konflikte, Armut, gesundheitliche wie soziale Ungleichheit vielerorts zunehmen, zeigt das MALC, was möglich ist, wenn Engagement nicht nachlässt und Solidarität Grenzen überwindet.

„In diesen herausfordernden Zeiten unserer gemeinsamen Welt steht das MALC als ein Leuchtturm der Hoffnung und als ein Symbol für die Kraft der Zusammenarbeit. Es ist ein Licht, das von Pakistan aus in die Welt hinausstrahlt.“ betont Patrick Georg, Vorstand der DAHW in seiner Gratulationsbotschaft.

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Dieses Jubiläum markiert deshalb nicht nur einen historischen Moment. Es erinnert uns daran, wie wertvoll kontinuierliche Partnerschaften sind – und wie groß der Auftrag bleibt. Denn auch wenn Lepra heute in vielen Teilen Pakistans selten geworden ist, braucht es weiterhin Aufklärung, aktive Fallfindung, Zugang zu Behandlung und die konsequente Bekämpfung von Stigma. Die letzten Infektionsketten sind oft die schwierigsten.

Für die DAHW ist das Jubiläum ein Anlass zu tiefer Dankbarkeit – gegenüber dem MALC und seinem Team, gegenüber all jenen, die mitgearbeitet, gespendet, begleitet und Hoffnung geschenkt haben. Und es ist ein Moment, um den Blick bewusst nach vorn zu richten: auf eine Zukunft, in der das Ziel von „Zero Leprosy“ Wirklichkeit wird und in der Krankheit nicht mehr ausgrenzt – weder in Pakistan noch anderswo.

70 Jahre MALC – 70 Jahre Mut. 70 Jahre Nähe. 70 Jahre Menschlichkeit.
Und die gemeinsame Geschichte geht weiter.

Gemeinsam können wir Ausgrenzung überwinden und Gesundheit für alle möglich machen.

05.03.2026
28.02.2026