in 9 verschiedenen Ländern
am Lepra Impfstoff Lep-Vax
vom RKI Bulletin bis zum WHO Bulletin
Dabei haben Erkrankungen wie Lepra, Tuberkulose, Buruli Ulcer oder Leishmaniose verheerende gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Folgen für Millionen von Menschen. Und das, obwohl vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs) häufig heilbar sind und mit den richtigen Präventivmaßnahmen auch eine Ansteckung vermieden werden kann.
Heute forschen, damit morgen weniger Menschen erkranken – so lässt sich die wissenschaftliche Arbeit der DAHW knapp zusammenfassen. Wir sind entschlossen, parallel zu unserer Kernaufgabe – der direkten medizinisch-sozialen Unterstützung der Betroffenen – auch unser Engagement in der Forschung aufrechtzuerhalten und zu intensivieren. Damit die Wirkung unserer Projekte nicht verpufft, sondern Krankheiten wie Lepra und Tuberkulose langfristig und nachhaltig eingedämmt werden.
Anfang des 20. Jahrhunderts war Lepra eine unheilbare Krankheit und Betroffene wurden in sog. Leprakolonien isoliert. Etwa seit dem 14. Jahrhundert wurde zur Behandlung der Lepra das Öl aus den Samen des indischen Chaulmoograbaumes eingesetzt – allerdings nur zur äußeren Anwendung, denn um es zu Injizieren war es zu zäh und die Prozedur sehr schmerzhaft.
Im Jahr 1915 entwickelte die afroamerikanische Chemikerin Alice Ball (* 24. Juli 1892 in Seattle, Washington, † 31. Dezember 1916), die als Forscherin und Dozentin am College of Hawaii tätig war, eine Technik, mit der die Ethylesterkomponenten aus den Fettsäuren des Chaulmoograöls isoliert werden konnten. Diese wasserlösliche, antibakterielle Chaulmoograsäure ließ sich im Blutkreislauf auflösen und war damit injizierbar.
Die Injizierung hemmte das Wachstum von Mykobakterien wie dem Lepra-Erreger Mycobacterium leprae und dem Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis. Die Betroffenen waren nicht geheilt, aber sie entwickelten auch keine weiteren Symptome. Die isolierten Ethylesterkomponenten wurden bis weit in die 1940-Jahre zur Behandlung der Lepra eingesetzt. Damit legte Alice Ball den Grundstein für die Heilung der Lepra – mit gerade einmal 23 Jahren.
Jedoch erlebte sie ihren Erfolg nicht mehr: Sie verstarb, bevor sie ihre Forschungsergebnisse veröffentlichen konnte. (Quelle: Wikipedia)
Die Jahrhunderte währende Politik der Isolation und rein symptomatischen Therapie von Lepra-Patient:innen in sog. Leprosorien wurde in den 1940er-Jahren revolutioniert.
Der amerikanische Mediznier Guy Henry Faget (1891 – 1947), Leiter des Leprosariums in Carville / USA, begann 1940 damit, Lepra-Patient:innen mit Sulfonpräparaten zu behandeln. Sulfonamide sind eine Gruppe von synthetischen chemischen Verbindungen mit antimikrobieller Wirkung, die auch als Antibiotika eingesetzt werden. Die Behandlung mit den Chemotherapeutika erwies sich als wirksamer und verträglicher, als die bis dato angewendete Therapie mit Chaulmoograöl, und wurde 1947 von seinem Kollegen Cochrane Dapson standardisiert.
Als 1968 Resistenzen gegen das damals meist angewandte Lepra-Medikament festgestellt werden, startet die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Borstel ein groß angelegtes Forschungsprojekt, um eine neue Therapie gegen die bakterielle Infektionskrankheit zu entwickeln: Der Lepra-Erreger soll endlich wirksam bekämpft und Betroffene sollen medizinisch geheilt werden.
1983 ist es soweit: Nach einer erfolgreichen Studie auf Malta empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO die neu entwickelte sechs- bis zwölfmonatige „MDT“ (Multi-Drug-Therapy), ein Mix aus den Antibiotika Rifampicin, Dapson und Clofazimin, als weltweiten Standard.
1990 werden laut WHO-Statistik weltweit nur noch ca. 800.000 Neuerkrankungen erfasst – in den 1980er-Jahren waren es noch rund 5,4 Millionen. Dieser Erfolg ist nicht nur der Einführung der kostenlosen multimedikamentösen Therapie zu verdanken: Auch der Auf- und Ausbau staatlicher Lepra-Kontrollprogramme unter maßgeblicher Beteiligung der DAHW trägt dazu bei.
Im Jahr 2000 gilt Lepra gemäß der WHO-Kriterien nicht mehr als globales Gesundheitsproblem, denn auf 10.000 Einwohner*innen weltweit kommt nur noch ein Lepra-Fall. In der Folge sinkt die globale Aufmerksamkeit für die Krankheit: Lepra ist in vielen Ländern kein Bestandteil der medizinischen Ausbildung (mehr) und auch die Lepra-Forschungsaktivitäten gehen zurück. So bleibt es Jahr für Jahr bei rund 250.000 Neuerkrankungen, darunter auch viele bei Kindern.
2013 beginnt die DAHW angesichts der anhaltend hohen Fallzahlen gemeinsam mit anderen Akteuren in der Lepra-Bekämpfung das Engagement in der Forschung zu intensivieren. Zu den initiierten Projekten zählen die Entwicklung eines Lepra-Impfstoffes sowie die Suche nach Methoden zur Frühdiagnostik und zur Prophylaxe.
Bereits 2008 wurde von DAHW-Partnerorganisationen im Rahmen der Studie „Contact transmission and chemoprophylaxis in leprosy“ (COLEP) bewiesen, dass die Einmalgabe des Antibiotikums Rifampicin für Kontaktpersonen von Lepra-Patient*innen die Übertragung der Lepra zu 60 Prozent unterbricht.
In der Folgestudie „Lepra-Post-Expositions-Prophylaxe“ (LPEP), die von 2015 bis 2019 durchgeführt wurde, gelingt es der DAHW in Kooperation mit der Novartis Stiftung, mehreren wissenschaftlichen Instituten und anderen NGOs, die Anwendbarkeit von LPEP positiv zu testen.
Seit 2018 empfiehlt die WHO diese PEP als Standardmaßnahme zur Eindämmung der Ausbreitung der Lepra.
2019 startet die „Post Exposure Prophylaxis For Leprosy“-Studie (PEP4LEP): Gemeinsam mit der niederländischen Leprahilfe NLR, den nationalen Gesundheitsprogrammen in Äthiopien, Tansania und Mosambik und der Erasmus-Universität in Rotterdam untersucht die DAHW vier Jahre lang, wie die Lepra-Prophylaxe LPEP am effektivsten in Gesundheitsprogrammen integriert werden kann. Das Projekt wird von der European & Developing Countries Clinical Trials Partnership – EDCTP und der Leprosy Research Initiative – LRI gefördert. Damit kommen in der Lepra-Forschung erstmals EU-Mitteln zum Einsatz.
2020 veröffentlicht die WHO eine „Road-Map“ zur tatsächlichen Elimination von Lepra und anderen NTDs bis zum Jahr 2030. Dabei soll die Krankheit diesmal Schritt für Schritt in einzelnen Ländern ausgerottet werden – wobei „ausgerottet“ künftig bedeutet, dass es faktisch keine einzige Lepra-Neuerkrankung in diesen Ländern mehr gibt.
Die neu gegründete „Globale Partnerschaft für die Elimination der Lepra“ (Global Partnership Zero Leprosy – GPZL) erweitert das Ziel: Sie fordert nicht nur eine Welt mit „null Lepra-Fällen“, sondern auch „null Behinderung“ und „null Diskriminierung“ aufgrund einer Lepra-Erkrankung (Zero Leprosy – Zero Disability – Zero Discrimination).
Abgeschlossen
Abgeschlossen
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Accessibility Widget. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen