20.03.2026

Ayan muss Geduld haben – Gemeinsam mit Dr. Schmotzer Tuberkulose eindämmen

Ayan macht fleißig mit bei der Krankengymnastik. Foto: RLH
Tuberkulose (TB) ist eine Erkrankung der Lunge und spielt sowieso fast keine große Rolle mehr. Für Europa und den globalen Norden insgesamt mag das stimmen. Auf die gesamte Welt übertragen trifft es nicht zu. Die Schätzungen sind, dass weltweit jährlich zwischen zehn und elf Millionen Menschen neu an TB erkranken. Damit bleibt die Krankheit weiterhin die „führende“ Infektionskrankheit. Was viele Menschen nicht wissen: TB kann über die Lunge hinaus praktisch alle Gewebe des menschlichen Körpers befallen, schwere Schäden verursachen, zu Behinderungen und dem Tod führen.

TB breitet sich von Lunge aus

Eine TB außerhalb der Lunge wird extrapulmonale TB (EP TB) genannt. Sie kann für Arzt und Patient eine große Herausforderung sein. In Pakistan sind mehr als 20% aller Neuerkrankungen an TB solche Fälle. Die Infektion befällt immer zuerst die Lunge. Wenn sie jedoch nicht rechtzeitig entdeckt und richtig behandelt wird, wird der Erreger mit dem Blutstrom im Körper weitergetragen. Das Bakterium kann sich an den verschiedenen Stellen, z.B. in Lymphknoten, Knochen, Gelenken, Bauchraum, Auge oder den Gehirnhäuten in kleinen Kolonien ansiedeln.
Dann hängt es von der Abwehrstärke des Körpers ab, ob diese kleinen Infektionen unschädlich gemacht werden oder nicht. Wenn Menschen schlecht ernährt oder anderweitig geschwächt sind, andere Infektionen oder Begleiterkrankungen wie Diabetes haben, ist die Abwehr nicht stark genug. Aus den kleinen TB-Herden werden ernsthafte Infektionen. Dieser Prozess ist tückisch. Er vollzieht sich langsam und die Patienten merken lange nichts davon bzw. haben nur unklare Beschwerden.

TB kann über die Lunge hinaus praktisch alle Gewebe des menschlichen Körpers befallen, schwere Schäden verursachen, zu Behinderungen und dem Tod führen.

Der zehnjährige Ayan

So ging es auch Ayan Rasheed, einem 10-jährigen Jungen aus dem entlegenen Swat-Tal im Nordwesten des Landes. Er litt über Monate an Husten und Fieber und fühlte sich müde. Doch das Leben in der Bergregion ist hart. Seine Aufgabe war es, das Vieh auf den Bergweiden hüten. Die Familie muss täglich darum kämpfen, dass genug zu essen da ist, dass sie über die Runden kommen. Sie können es sich nicht leisten, in ein gutes Hospital zu gehen. Dort muss die Behandlung bezahlt werden. Alarmiert waren seine Eltern erst, als Ayan das Laufen immer schwerer fiel. Er konnte den Kühen und Ziegen nicht mehr folgen, klagte über starke Rückenschmerzen.

Der tapfere Junge wird von seiner Mutter liebevoll betreut. Foto: RLH
Wir waren froh, dass Ayan zu uns gekommen ist, noch bevor eine Querschnittslähmung eingetreten ist. Wir begannen sofort mit der richtigen Behandlung.
Dr. Chris Schmotzer

Behandlung konnte rechtzeitig beginnen

Wichtig ist bei solchen Patienten, dass sie nicht nur die erforderlichen Antibiotika für die TB bekommen, sondern auch alles getan wird, dass die Schäden der Wirbelsäule sich nicht verschlimmern und der Knochen wieder stabil wird. Dazu gehörte, dass Ayan erst einmal im Bett liegen musste. Gleichzeitig startete eine intensive Krankengymnastik zur Muskelstärkung. Ayan musste vom ersten Tag an mit den Krankengymnasten gezielte Übungen machen. Jede Woche wurden die Nervenfunktionen kontrolliert. Auch seine Rückenschmerzen gingen zurück.

18 Monate Behandlungszeit

TB der großen Knochen benötigt leider eine lange Behandlung, die „normalen“ sechs Monate sind dafür nicht ausreichend. Ayan wird über insgesamt 18 Monate Medikamente nehmen müssen. Zum Glück sind Ayan und seine Mutter erfreulich geduldig und machen prima mit. Ayan sagt selbst: „Ich will unbedingt wieder auf die Hochweiden gehen“.

Er macht seine Übungen mit Ausdauer und Begeisterung. Seit Ende Januar darf er, nachdem die Kontrolluntersuchungen in Ordnung waren, mit Laufen beginnen. Natürlich nur unter Aufsicht durch die Krankengymnasten. Ayan ist jetzt schon eine Ermutigung für andere Patient:innen, nicht aufzugeben und die Behandlung „durchzuziehen“. Seine Mutter sagt: „Es war schwer am Anfang, ich war am Ende, aber jetzt geht es aufwärts.“ Wir alle wünschen es dem Jungen und seiner Familie sehr.

Ayan macht seine ersten Schritte (wieder).

Gemeinsam können wir Ausgrenzung überwinden und Gesundheit für alle möglich machen.

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