Anlässlich seines 100. Geburtstages am 19.10.2024, erinnert die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe an ihren Gründer Hermann Kober. Der Journalist aus Zell am Main war der erste Schatzmeister des Vereins, 30 Jahre lang geschäftsführendes Vorstandsmitglied sowie von 1994 bis 1998 DAHW-Präsident. Seine Verdienste sind unvergessen.
Als Mitte der 1950er Jahre ein Zeitungsartikel auf die Situation der Lepra-Betroffenen in Äthiopien aufmerksam macht, will ein Freundeskreis aus Würzburg helfen. Am Wohnzimmertisch von Hermann und Irene Kober in Zell am Main wird das „Aussätzigenhilfswerk Dr. Ferón“ gegründet, später umbenannt in das „Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk“ (DAHW). In der noch jungen Bundesrepublik erhält der eingetragene Verein die Nummer 19.
In einer abgelegenen Region Äthiopiens, am Bisidimo-Fluss, bauen Entwicklungshelfer: innen aus Deutschland ein Lepra- Krankenhaus auf. Franz Söllner, der damals dabei war, erinnert sich: „Ich habe viel empfangen in Äthiopien. Freundlichkeit, Dankbarkeit. Einander annehmen, geben und empfangen, das ist unsere Aufgabe.“ Das Hilfswerk beginnt, weitere Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika zu fördern.
In Pakistan treibt eine junge Ärztin und Ordensschwester die Lepra-Arbeit voran: Dr. Ruth Pfau setzt sich bedingungslos für die Belange der Patient:innen ein und kämpft gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung. Die DAHW unterstützt ihre Arbeit und fördert das von ihr gegründete Marie Adelaide Leprosy Center (MALC) in Karachi.
Zusammen sind wir stärker:
Die DAHW beteiligt sich an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Leprahilfswerke (ELEP). Sie wird später zur ILEP werden, der International Federation of Anti-Leprosy Associations, die bis heute Kräfte und Wissen bündelt, um vereint gegen Lepra vorzugehen.
Die DAHW fördert verstärkt flächendeckende Lepra-Kontrollprogramme in Zusammenarbeit mit Regierungen, Gesundheitsbehörden und Partnerorganisationen. In Indien errichtet die DAHW gemeinsam mit den lokalen Behörden ein erstes städtisches Lepra-Kontrollprogramm in den Slums des heutigen Chennai.
Die Lepra-Forschung wird verstärkt unterstützt. Ein Schwerpunkt dabei ist die Untersuchung der Lepra- Ausbreitung unter Gürteltieren. Dabei werden wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Außerdem arbeitet die DAHW gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Borstel daran, eine neue Kombinationstherapie zur Bekämpfung der Lepra zu entwickeln. Die Behandlung von Lepra-Patient:innen in mehreren Ländern zeigt bisher noch nicht dagewesene Heilungserfolge.
Endlich: Lepra ist heilbar! Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt die von der DAHW und dem Forschungszentrum Borstel entwickelte Kombinationstherapie (Multi-Drug-Therapie) zum weltweiten Standard. Schwerpunkt der DAHW ist deshalb die Logistik und Bereitstellung der neuen Medikamente.
Das DAHW und das Missionsärztliche Institut gründen in Würzburg das „Armauer-Hansen- Institut für Forschung und Information“ mit einem Lepra-Tuberkulose-Referenzlabor und einem Labor für angewandte Technik in Projektländern. Im Juli 1987 wird es eingeweiht. Die DAHW beginnt zudem, die Tuberkulose- Arbeit zu intensivieren.
Der Mitgründer der DAHW erhält die von Papst Johannes Paul II. verliehene Auszeichnung „Ritterkreuz des Silvesterordens“ aus den Händen von Diözesanbischof Paul-Werner Scheele. Bereits zuvor hatte Kober zahlreiche Auszeichnungen erhalten: den Bayerischen Verdienstorden, das Kommandeurskreuz des Malteserordens, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse sowie den Damien Dutton Award, die höchste Ehrung auf dem Gebiet der Leprahilfe.
Trotz drastisch gesunkener Infektions-Zahlen ist weiterhin von jährlich etwa 500.000 neuen Lepra-Fällen auszugehen. Seit die DAHW auch Tuberkulose behandelt, sind Kinder stärker in den Fokus gerückt. Sie sind etwa mittelbar betroffen, wenn ihre Eltern an einer TB-Infektion sterben, beispielsweise wegen einer Doppelinfektion von Tuberkulose und der Immunschwäche-Krankheit Aids.
Das Deutsche Aussätzigen Hilfswerk (DAHW) erhält einen neuen Namen:
DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. Bundespräsident Johannes Rau steht Pate. So soll das stigmatisierende Wort „Aussatz“ künftig vermieden werden, auch, weil mit der neuen Kombinationstherapie eine Isolation der Lepra-Patient:innen endgültig nicht mehr notwendig ist. Auch wird damit dem wichtigen Mandat Tuberkulose Rechnung getragen.
Da die DAHW zunehmend auch Nothilfe in Kriegs- und Krisenregionen leistet, wird ein eigener Fachbereich für Humanitäre Hilfe eingerichtet. Die DAHW wird zudem Vollmitglied beim Bündnis Entwicklung Hilft (BEH). Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen Würzburg und Mwanza in Tansania starten die DAHW und das Missionsärztliche Institut unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Christian Schuchardt die Spendenaktion „Würzburg hilft Mwanza“, um finanzielle Mittel für den Kampf gegen Schistosomiasis zu sammeln.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die von der DAHW mitentwickelte Lepra-Post-Expositions-Prophylaxe (LPEP) als Standard-Präventivbehandlung von Kontaktpersonen von Lepra-Patient:innen. Mit einer Einzeldosis des Lepra-Medikaments Rifampicin kann das Risiko, als Kontaktperson selbst an Lepra zu erkranken, erheblich gesenkt werden.
Die DAHW, ihre aktive Lepra- Arbeit und damit auch die Lepra-Station in Bisidimo feiern 65-jähriges Jubiläum. Bei einem Besuch in Bisidimo stellt DAHW-Vorstand Georg fest: „Der Erfolg der hier geleisteten Arbeit lässt sich nur schwer in Worte fassen.“ Doch sie ist sichtbar: Aus der kleinen Lepra-Station von damals ist eine Klinik geworden, die die gesamte Region medizinisch versorgt und zudem zum Referenzhospital für Lepra geworden ist.
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