2020 wurde in Würzburg, Sitz der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, das Röntgenjahr gefeiert – wenn auch unter erschwerten Corona-Bedingungen. 125 Jahre vorher hatte Wilhelm Conrad Röntgen hier seine so genannten X-Strahlen entdeckt, die kurze Zeit später in Röntgenstrahlen umbenannt wurden. Doch es ist nicht nur die Stadt Würzburg, die den Menschen und die Technologie Röntgen mit der DAHW verbindet. In der Diagnose der Krankheit Tuberkulose, die weltweit die meisten Todesopfer jährlich fordert, spielt die Röntgendiagnostik nach wie vor eine wichtige Rolle. Sowohl zur vollständigen Abklärung der Lungentuberkulose und in der Verlaufskontrolle als auch bei der Diagnose der extrapulmonalen Tuberkulose hat das Röntgen seinen festen Platz. Grund genug, das Leben und vor allem das Wirken Röntgens etwas genauer zu durchleuchten.
Geboren am 27. März 1845 in Lennep, wächst Wilhelm Conrad Röntgen als Einzelkind des wohlhabenden Tuchhändlers Friedrich Conrad Röntgen und dessen Ehefrau Charlotte Constanze zunächst in Apeldoorn in Holland auf. In Utrecht besucht er später die Technische Schule, wird jedoch bereits nach einem Jahr von dieser ohne Abschluss verwiesen, weil man ihn – irrtümlich – beschuldigt, eine Karikatur seines Klassenlehrers angefertigt zu haben. Mitte der 1860er-Jahre gelingt es Röntgen in Zürich, auch ohne Abitur zum mechanisch-technischen Studium zugelassen zu werden. Bereits nach drei Jahren verlässt Röntgen die Universität als Diplom-Maschineningenieur mit Bestnoten.
Der deutsche Physiker und Professor August Kundt ist es, der Röntgen als seinen Schüler für die Physik begeistert. Röntgen absolviert unter Kundt ein Aufbaustudium und promoviert schließlich. Seine Dissertation trägt den Titel „Studien über Gase“. Als Kundt 1870 an die Julius-Maximilians-Universität nach Würzburg berufen wird, begleitet ihn Röntgen als sein Assistent. Am 19. Januar 1872 heiratet er Bertha Ludwig in Apeldoorn. Zwar verschlägt es Röntgen beruflich kurze Zeit später erst nach Straßburg, wo er habilitiert, und dann an die Universität nach Gießen, doch kehrt er 1888 nach Würzburg zurück, um hier die Stelle als Professor für Experimentalphysik und Direktor des Physikalischen Instituts anzutreten.
1895 gelingt ihm hier die Entdeckung seines Lebens: Während der Untersuchung von Kathodenstrahlen und ihrer Wirkung fällt Röntgens Blick auf hell fluoreszierende Kristalle, die zufällig in der Nähe der Kathodenstrahlröhre liegen. X-Strahlen nennt er dieses Phänomen und diese bisher unbekannte Art von Strahlen. Röntgen forscht weiter und veröffentlicht schließlich seine Ergebnisse. Seine Entdeckung entwickelt sich zur Sensation. In Würzburg hält er im Januar 1896 auf Einladung der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft einen einzigen öffentlichen Vortrag zu diesem Thema und fertigt „live“ eine Röntgenaufnahme der Hand des Anatomen Albert von Kölliker an, der daraufhin vorschlägt, die X-Strahlen in Röntgenstrahlen umzubenennen.
Besonders bemerkenswert ist, dass Wilhelm Conrad Röntgen sich bewusst dafür entschieden, seine bahnbrechende Entdeckung nicht zum Patent anzumelden. Er erkannte das Potenzial für die Diagnostik in der Medizin und wollte, dass seine Entdeckung schnell zum Wohle der Menschen eingesetzt werden konnte, statt sie zu seinem Vorteil zu vermarkten.
Zur Jahrhundertwende verlässt Röntgen das geliebte Würzburg und folgt dem Ruf der Ludwig-Maximilians-Universität München. Fünf Jahre nach seiner großen Entdeckung erhält Röntgen 1901 den Nobelpreis für Physik. Es soll und wird nicht seine letzte Auszeichnung für diese bahnbrechende Entdeckung gewesen sein. Wilhelm Conrad Röntgen stirbt am 10. Februar 1923 in München.
Die Mitarbeiter*innen der DAHW und der Partnerorganisationen in den TB-Projekten gehen bei der Diagnose einer Lungentuberkulose schrittweise vor. In vielen Fällen können bereits in mikroskopischen Untersuchungen des Sputums (Auswurfs) TB-Bakterien nachgewiesen werden. Immer häufiger kommt zudem das relativ schnelle sog. GeneXpert-Testverfahren zum Einsatz: ein molekularbiologisches Analysegerät, das die Erreger verlässlich nachweisen kann. Doch bleiben immer noch TB-Erkrankungen zunächst unentdeckt, zum Beispiel wenn nicht genügend Bakterien für eine zu analysierende Probe ausgehustet worden sind. Hier kommen die Röntgenuntersuchungen ins Spiel. Ein Röntgenbild des Thorax hilft, Tuberkulose-Herde in der Lunge zu erkennen und das Stadium der Erkrankung zu ermitteln.
Auch bei der späteren Verlaufskontrolle während der Therapie wird das bildgebende Verfahren eingesetzt. Die Erstellung eines Röntgenbildes in der TB-Diagnostik gehört neben der Anamnese und der bakteriologischen Diagnostik zur umfassenden, vollständigen Abklärung des Krankheitsbildes Tuberkulose. Unentbehrlich ist das Röntgen nach wie vor bei der Diagnose der extrapulmonalen Tuberkulose, insbesondere bei der Knochentuberkulose, der Tuberkulose der Wirbelsäule.
In Würzburg steht am Ort der Entdeckung der Röntgenstrahlen, am heutigen Röntgenring, die Röntgen-Gedächtnisstätte mit Einblicken in die experimentelle Physik und den historischen Hörsaal Röntgens. Die DAHW, deren Sitz nur einen Katzensprung von diesem Ort entfernt liegt, setzt in der weltweiten Projektarbeit auf die Röntgentechnologie. Jedes Röntgenbild, das Klarheit über die pulmonale TB-Erkrankung eines Menschen gibt, trägt dazu bei, diesen Menschen zu behandeln, zu heilen und so die Ausbreitung der Infektionskrankheit, an der weltweit die meisten Menschen sterben, weiter einzudämmen.
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