Pressemeldung: DAHW-Mitbegründerin Irene Kober wird 100 Jahre alt: ein Leben für Menschlichkeit und Engagement

Ohne Irene Kober gäbe es die DAHW Deutsche Lepra und Tuberkulosehilfe e.V. in ihrer heutigen Form nicht – denn an ihrem Geburtstagstisch wurde vor 69 Jahren der Grundstein für den Verein gelegt. Ihrer Organisation ist Irene Kober bis heute eng verbunden – und auch in diesem Jahr wird in Zell am Main der Geburtstagstisch gedeckt: Irene Kober wird stolze 100 Jahre alt!

Geboren 1926 in Berlin, zieht Irene Kober im Alter von fünf Jahren zunächst mit ihrer Familie nach Breslau und flieht im letzten Kriegsjahr 1945 nach Dresden, wo sie die verheerenden Bombenangriffe auf die Stadt miterlebt. Nach dem Krieg holt sie ihr Abitur nach, legt ihr Staatsexamen als Krankenpflegerin ab und absolviert eine Ausbildung zur OP-Schwester. Für das ersehnte Studium zur Kinderärztin fehlt das Geld. Dann ziehen Irenes Eltern ins unterfränkische Karlstadt, wo der Vater sich mit einem eigenen Geschäft selbständig macht. In dieser Zeit lernt Irene Hermann Kober kennen, späterer Chefredakteur beim Würzburger Fränkischen Volksblatt. Am 29. September 1952 heiratet das Paar. In einem kleinen Häuschen in Zell am Main finden sie ein Zuhause.

„Ich habe erst mit der Heirat wieder eine Heimat bekommen“, so hat es Irene Kober einmal ausgedrückt. Und bald zeigt sich: Hermann und Irene haben einander gesucht und gefunden. Ihre Beziehung ist geprägt von Partnerschaft, Liebe und gegenseitigem Respekt. „Ich hatte eine sehr glückliche Ehe“, unterstrich Irene Kober noch im Jahr 2024. Aus der Verbindung gehen drei Kinder hervor – und im Jahr 1957 noch etwas: die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe.

Irenes 31. Geburtstag wird, wie jedes Jahr, mit Kaffee und Kuchen am heimischen Wohnzimmertisch gefeiert. Gemeinsam mit einem Zeitungskollegen hatte Hermann Kober kurz zuvor bewegende Reportagen über einen Lepra-Arzt veröffentlicht, der dringend einen Geländewagen brauchte, um in Äthiopien Betroffene zu versorgen. Prompt trudelten Spenden ein – zu viele für eine private Verwaltung. Am Geburtstagstisch fiel der Satz: „Wir müssen einen Verein gründen!“ Irene Kober ergänzte: „Sofort.“ Einen Tag später war es soweit.

Die Organisation, damals noch unter dem Namen „Aussätzigenhilfswerk Dr. Féron“ gegründet, später umbenannt in das „Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk“ (DAHW), wuchs rasch, verlegte das im Koberschen Wohnzimmer improvisierte Büro schon bald in offizielle Geschäftsräume und Hermann Kober stürzte sich in die Arbeit: erst als Schatzmeister, 30 Jahre lang als geschäftsführendes Vorstandsmitglied, ab 1994 als Präsident. Alles ehrenamtlich, neben Beruf und Familie. Nur Auslagen wurden übernommen, aber die sparsame Familie Kober nahm Dienstreisende, die etwa aus Äthiopien oder Pakistan nach Deutschland kamen, gern bei sich zuhause in Zell auf – was damals nicht allen gefiel.

Ein Briefträger habe sie mal gefragt, ob er sich an der Post, die aus Lepra-Stationen kam, anstecken könnte, erzählte Irene Kober später, und nicht wenige Menschen hielten Abstand zu den Kobers, wenn sie sie auf der Straße trafen. Doch die Eheleute wussten, wofür sie ihre ehrenamtliche Arbeit taten. Die Betroffenheit ist Irene Kober heute noch anzuhören, wenn sie von ihren Besuchen bei Lepra-Patientinnen und -Patienten erzählt, etwa in Indien: „Unser Hund hatte eine schönere Hütte“, sagt sie schlicht. „Unvorstellbar. Ich sage immer, dass der liebe Gott duldet, dass Menschen so leben müssen, das habe ich nie verstanden.“

Doch Hermann und Irene gaben nicht auf und trieben die Arbeit weiter voran. Freunde und Bekannte wurden mit einbezogen, die DAHW zum Lebensprojekt: „Wer mit uns befreundet war, war drin, so Irene Kober.

Und die DAHW feierte Erfolge: Betroffene wurden unterstützt, Krankenhäuser gebaut, Forschungsprojekte gefördert – und in den Achtzigerjahren ein Meilenstein erreicht: Die Entwicklung einer Kombinationstherapie machte Lepra heilbar. „Das ist das Allerwichtigste“, sagt Irene Kober rückblickend, „dass wir das Medikament geschafft haben. Dass wir Menschen die Möglichkeit geben konnten, so geheilt zu werden, dass sie wieder integriert werden können, dass Kinder Medikamente bekommen können, damit sich die Krankheit nicht weiterentwickelt.“ Stolz sei das falsche Wort, aber darüber freue sie sich am meisten.

„Die Verdienste von Hermann und Irene Kober um die DAHW sind unschätzbar“, sagt der heutige DAHW-Vorstand Patrick Georg. „Beide engagierten sich neben dem Berufs- und Familienleben mit großer Leidenschaft für Menschen weit entfernt von ihrer Alltags- und Lebensrealität im heimatlichen Deutschland. Ihr ehrenamtliches Engagement, ihre Einsatzbereitschaft und ihre großen Errungenschaften dienen uns bis heute als Vorbild. Wir gratulieren Irene Kober von ganzem Herzen – zu ihrem 100. Geburtstag und ihrem beeindruckenden Lebenswerk.“

Hermann Kober starb 1998. Seine Frau ist bis heute Mitglied der DAHW, eine Tochter und eine Enkelin haben sich dem Verein ebenfalls angeschlossen. Irene Kober hat vor allem einen Wunsch für die Zukunft des gemeinsamen Lebensprojekts: „Dass wir weiter unterstützt werden und weiter die Menschen betreuen können.“

Weitere Infos über Irene Kober, die DAHW und ihre Hilfsprojekte unter www.DAHW.de


Der Januar im Zeichen der Lepra-Arbeit: Feiern, Erinnern, Mitmachen!

Neben dem 100. Geburtstag unserer Mitbegründerin Irene Kober am 17. Januar, steht auch der restliche Januar ganz im Zeichen der DAHW und von Lepra betroffener Menschen. Der Welt-Lepra-Tag am 25. Januar macht weltweit auf die Situation von Betroffenen aufmerksam – wir laden Sie ein, dabei zu sein:

Historischer Spaziergang „Auf den Spuren der Lepra“ in Würzburg (25.01., 10:30 Uhr und 29.01., 15:30 Uhr )

Online-Event „Aus erster Hand: Wie Lepra-Betroffene in Indien ihre Rechte selbst in die Hand nehmen“ am 27.01. um 18 Uhr

Foto-Ausstellung „Lichtblicke – zwischen Stigma und Stärke“ von 8. – 31. Januar im Würzburger Rathaus, Mo – Do, 8 bis 18 Uhr, Fr, 8 bis 13 Uhr.

Anmeldung zu den Events erbeten, aber spontane Teilnahme ebenfalls möglich. Anmeldung und viele weitere Infos unter www.Lepra-beenden.de

Bildunterschriften:

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Treffen der DAHW-Familie am Fuße der Hermann-Kober-Brücke in Würzburg: Irene Kober (vorne) sowie deren Tochter und Enkelin mit DAHW-Vorstand Patrick Georg im Juni 2024. Foto: Larissa Brodziak / DAHW

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1972 richtet die DAHW das erste städtische Lepra-Kontrollprogramm in den Slums von Madras (heute Chennai) in Indien ein. Im Bild Irene Kober bei einem Besuch des Projektes. Foto: DAHW-Archiv

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Irene Kober im August 2024 dort, wo alles begann: Am heimischen Wohnzimmertisch in Zell am Main gründete sie mit Freunden die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. Foto: Johanna Schultheiß / DAHW

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Das Ehepaar Kober (hinten Mitte und rechts), Mitte der 1980er-Jahre in Uganda. Mit dem Buluba Hospital als Lepra-Referenzzentrum entstand ein landesweites Netzwerk zur Diagnose, Behandlung und Ausbildung – ein Meilenstein für die öffentliche Gesundheit in Uganda. Foto: DAHW-Archiv