Pressemeldung | Welt-Tuberkulose-Tag 2026: Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe warnt vor globalen Rückschritten – und setzt auf innovative TB-Versorgung
Würzburg/Rawalpindi, 24.03.2026. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht weiterhin von einem „globalen Notfall“. Im Jahr 2024 erkrankten weltweit etwa 10,7 Mio. Menschen neu an TB, darunter rund 1,2 Mio. Kinder. Mehr als 1,2 Mio. Menschen starben an der eigentlich heilbaren Krankheit. Damit gefährden rückläufige Mittel für Tuberkulose Programme erneut die globalen Fortschritte der vergangenen Jahre.
Armut und fehlender Zugang bestimmen das Risiko
Besonders betroffen sind Menschen in Krisenregionen und Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen. Die DAHW und ihre Partner sind in vielen dieser Länder im globalen Süden mit Tuberkulose-Hilfsprojekten aktiv. „Tuberkulose ist längst kein rein medizinisches Problem mehr, sondern ein Gerechtigkeitsthema“, sagt die erfahrene Ärztin Dr. Chris Schmotzer, Leiterin des Rawalpindi Leprosy Hospital (RLH) – langjähriges Partnerkrankenhaus der DAHW in Pakistan.
Einer ihrer zahlreichen Patient:innen ist der zehnjährige Ayan aus dem abgelegenen Swat-Tal. Der Junge litt über Monate hinweg unter Husten, Fieber und zunehmenden Rückenschmerzen – doch die Familie konnte keine medizinische Behandlung bezahlen. Erst als Ayan kaum mehr laufen konnte, brachten ihn seine Eltern ins Krankenhaus nach Rawalpindi. Dort zeigten Röntgenaufnahmen, dass zwei Brustwirbel bereits teilweise „eingebrochen“, also stark geschädigt waren – ein typischer Befund der Wirbelsäulen-TB.
Dass Tuberkulose auch andere Bereiche des Körpers, abseits der Lunge, befallen kann, ist vielen nicht bewusst. Gerade deshalb, so Dr. Schmotzer, wird die Krankheit in zahlreichen Fällen viel zu spät erkannt. „Wir waren froh, dass Ayan rechtzeitig kam, bevor eine Querschnittslähmung eingetreten wäre“, erklärt die Ärztin. Die Behandlung des Jungen dauert rund 18 Monate, aber Ayan macht gute Fortschritte.
Früherkennung und innovative Diagnostik
Die DAHW arbeitet weltweit daran, Tuberkulose früh zu erkennen und Menschen in besonders gefährdeten Regionen und an den Rändern der Gesellschaft zuverlässig zu versorgen. Die Organisation ist in so genannten Hard-to-reach-Gebieten aktiv, also in besonders abgelegenen und schwer erreichbaren Dörfern, in denen Menschen oft in großer Armut leben. „Wir haben begriffen, dass wir nicht auf die Patientinnen und Patienten warten können, sondern zu ihnen hingehen müssen“, erklärt DAHW-Vorstand Patrick Georg. Die DAHW und ihre Partner setzen mobile Röntgengeräte für schnelle Screenings in abgelegenen Gebieten ein, zum Beispiel in Uganda.
Eine enorme Verbesserung durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz ermöglicht ebenfalls präzisere Diagnosen. Die DAHW nutzt außerdem die sogenannte GenXpert Diagnostik, die Infektionen und Resistenzen besonders schnell identifizieren kann. Sie zeigt innerhalb von Stunden, ob sich die Patientin bzw. der Patient infiziert hat und ob der Erreger gegen die wichtigsten Antibiotika resistent ist. Gleichzeitig stärkt die DAHW in Projekten den Zugang zu verständlicher Aufklärung, etwa durch ein digitales Gebärdensprach-Tool für gehörlose Menschen in Uganda.
In Tansania installieren die DAHW-Teams kleine TB-Anlaufstellen innerhalb der Gemeinden, die von geschulten Laien für Aufklärung und Probeentnahmen betrieben werden. In äthiopischen Gefängnissen verbessert die DAHW gemeinsam mit Partnern Hygiene, Gesundheitsaufklärung und Diagnostik, um das hohe TB-Risiko in den lokalen Haftanstalten deutlich zu senken. Und in Indien trägt die Organisation in den Slums von Mumbai und Howrah dazu bei, TB bei Kindern möglichst früh zu erkennen und zu behandeln, etwa durch Schuluntersuchungen oder Hausbesuche.
Finanzierungslücke bedroht Versorgung
2025 ist mit den USA ein zentraler internationaler Geldgeber weggebrochen. Viele Länder können seither notwendige Labortests, Röntgenuntersuchungen und spezielle Tuberkulose-Therapien nur noch eingeschränkt leisten. Partner der DAHW berichten von reduziertem Personal, langen Wartezeiten und einer steigenden Zahl unbehandelter Fälle. Im Rawalpindi Leprosy Hospital und anderen von der DAHW unterstützen Projekten müssen die Patienten:innen häufig nur eine Grundgebühr zu Beginn der Behandlung und das erste Röntgenbild bezahlen. Die speziellen Labortests kann das Krankenhaus kostenlos durchführen. Ebenso sind die TB-Medikamente, die Behandlung von Komplikationen und wichtiger Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Blutarmut für die Betroffenen unentgeltlich. Diese Aufwendungen werden seit Jahrzehnten durch Spendengelder u.a. der DAHW Deutsche Lepra und Tuberkulosehilfe finanziert.
„Tuberkulose wird oft als Krankheit der Vergangenheit wahrgenommen – das Gegenteil ist richtig“, so DAHW-Vorstand Patrick Georg. „Wenn TB-Programme ausreichend finanziert werden, sinken die Infektionszahlen. Wenn Mittel fehlen, sterben Menschen. Es liegt am politischen Willen.“
Die DAHW fordert Regierungen und Förderinstitutionen auf, Tuberkulose-Programme wieder stärker zu unterstützen und Innovationen gezielt zu fördern, um Diagnose und Behandlung für sozial benachteiligte und marginalisierte Bevölkerungsgruppen erreichbar zu machen.
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„Tuberkulose ist längst kein rein medizinisches Problem mehr, sondern ein Gerechtigkeitsthema,“ Ärztin und Ordensfrau Dr. Chris Schmotzer, Leiterin des Rawalpindi Leprosy Hospitals in Pakistan. Foto: Judith Mathiasch / DAHW
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Patrick Georg, Vorstand der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe: „Wenn Tuberkulose-Programme ausreichend finanziert werden, sinken die Infektionszahlen. Wenn Mittel fehlen, sterben Menschen. Es liegt am politischen Willen.“
Foto: Judith Mathiasch / DAHW
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TB-Patient Ayan und Dr. Chris Schmotzer bei der Physiotherapie. „Wir waren froh, dass Ayan zu uns gekommen ist, noch bevor eine Querschnittslähmung eingetreten ist“ Foto: RLH / DAHW
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TB ist als Lungenkrankheit bekannt, kann sich aber in allen Teilen des Körpers ansiedeln und ausbrechen. Foto: Bernd Hartung / DAHW
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Der 10-jährige Ayan mit seiner Mutter im Krankenhaus in Rawalpindi. Sie betreut ihn liebevoll. Foto: RLH / DAHW