Der Artikel wurde im renommierten internationalen Fachjournal PLOS Neglected Tropical Diseases veröffentlicht und basiert auf den praktischen Erfahrungen aus einem DAHW‑Projekt in fünf äthiopischen Gefängnissen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was braucht es, damit Gesundheit, Würde und Versorgung auch hinter Gefängnismauern gewährleistet werden können?
Erfahrungen aus der Praxis – die Menschen im Fokus
Grundlage des Artikels ist das DAHW‑Projekt Gesundheit und Würde für alle – Verbesserung von WASH und Rehabilitation in fünf äthiopischen Gefängnissen. Ziel des Projekts ist es, die Lebens‑ und Gesundheitsbedingungen von inhaftierten Menschen nachhaltig zu verbessern – unter anderem durch besseren Zugang zu Wasser, Sanitärversorgung, Hygiene sowie rehabilitative und gesundheitsbezogene Maßnahmen.
Die hier beschriebenen Herausforderungen und Erfahrungen aus der Projektarbeit machen deutlich: Gefängnisse sind Hochrisiko‑Orte für Tuberkulose, vor allem dort, wo Überbelegung, mangelhafte Belüftung und eingeschränkter Zugang zu Gesundheitsdiensten zusammentreffen. Inhaftierte Menschen haben oft bereits vor der Haft ein erhöhtes Krankheitsrisiko. Kommen dann schlechte Haftbedingungen hinzu, steigt die Gefahr von Ansteckung, verspäteter Diagnose und Therapieabbrüchen erheblich. Übergangssituationen wie Verlegungen, Haftentlassungen oder fehlende Anbindung an das öffentliche Gesundheitssystem können dazu führen, dass Behandlungen unterbrochen werden – mit Folgen für die Betroffenen und für die Tuberkulose‑Kontrolle insgesamt.
Die beiden Mediziner und Berater für Globale Gesundheit beschreiben, wo konkrete Veränderungen ansetzen können: wenn Gefängnisse ihre Infrastruktur verbessern, für sauberes Wasser und bessere Hygiene sorgen, regelmäßig auf Tuberkulose screenen und die Ernährung der Inhaftierten stärken. Entscheidend ist auch, mehr geschultes Gesundheitspersonal einzusetzen. Und nicht zuletzt braucht es Wege, Überbelegung zu vermeiden – etwa durch alternative Strafen für nicht gewalttätige Straftaten.
Leave no one behind
Äthiopische Gefängnisse stehen exemplarisch für einen blinden Fleck im Kampf gegen Tuberkulose – Orte, an denen Armut, Krankheit und Ausgrenzung aufeinandertreffen. Doch sie zeigen auch: Veränderung ist möglich. Wo Behörden, Gesundheitsdienste und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, entsteht Hoffnung – selbst unter schwierigsten Bedingungen. Gesundheit hinter Gittern zu stärken ist eine Frage der Würde und der Verantwortung gegenüber uns allen. Denn Tuberkulose endet nicht an Gefängnismauern. Niemand darf zurückgelassen werden.
Gemeinsam können wir Ausgrenzung überwinden und Gesundheit für alle möglich machen.