Besonders schwer wird es, wenn es keinen schnellen Zugang zu ärztlicher Hilfe gibt, Symptome lange nicht richtig eingeordnet werden – und sich zur Sorge um die Gesundheit auch Ausgrenzung und Schuldzuweisungen gesellen. Was das für Familien konkret bedeutet, zeigen die Geschichten aus unserem Projekt in Togo. Dort erzählen eine Mutter und ein Vater von ihren Erfahrungen mit der Lepra-Erkrankung ihrer Kinder. Ihre Berichte stehen stellvertretend für viele Familien – und machen zugleich deutlich, wie entscheidend frühe Diagnose, verlässliche Behandlung und ein offener Umgang mit der Krankheit sind.
Da ist zunächst die Mutter von Gabriel und Rosaline aus Amoussimé. Besonders die Geschichte ihres Sohnes Gabriel hat sich tief in ihr Leben eingegraben. Er war erst sieben Jahre alt, als seine Fußsohlen begannen aufzureißen. Die Familie wusste nicht, wohin sie sich wenden konnte, eine richtige Diagnose blieb lange aus. In der Hoffnung auf Hilfe gingen sie zu traditionellen Heilern – vergeblich. Als Gabriel schließlich im Krankenhaus behandelt wurde, waren seine Zehen bereits bis auf den Knochen zerstört. Inmitten dieser Zeit der Sorge starb der Vater. Danach blieb die Mutter mit den Kindern allein zurück. Die Großfamilie wandte sich ab, machte ihr Vorwürfe, schloss sie aus dem Gemeinschaftsleben aus. Die Kinder wurden aus der Schule verwiesen. „Niemand machte sich Sorgen um uns oder interessierte sich für uns“, sagt die Mutter heute. Bei Gabriel musste schließlich ein Bein amputiert werden. Er erhielt – wie auch seine Schwester Rosaline und die Mutter selbst – eine medikamentöse Behandlung, die zur Genesung führte. Doch während Gabriel mit den körperlichen Folgen leben muss, ist es bei Rosaline vor allem die Angst vor Stigmatisierung, die bleibt: die Sorge, in der Schule wieder ausgegrenzt zu werden, obwohl sie längst nicht mehr krank ist.
Eine andere Geschichte kommt aus Bafilo: Der Vater der sechsjährigen Salamatou erzählt, wie eine Radiosendung den entscheidenden Anstoß gab. Er erkannte die Flecken auf der Haut seiner Tochter wieder, brachte sie zu Aufklärungsveranstaltungen und schließlich ins Krankenhaus. Nach mehreren Untersuchungen erhielt Salamatou die nötige Behandlung. Die Medikamente wirkten, die Flecken verschwanden – und Salamatou geht es heute deutlich besser. Für den Vater ist klar: Ohne Information, Aufmerksamkeit und medizinische Unterstützung hätte diese Geschichte anders enden können.
Diese Videos zeigen, was Lepra für Familien bedeutet – und warum unsere Arbeit so wichtig ist. Sie machen Mut, genauer hinzusehen, früh zu handeln und Ausgrenzung entgegenzutreten. Denn Lepra ist heilbar. Und kein Kind sollte durch eine behandelbare Krankheit seine Zukunft verlieren.
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Mehr InformationenGemeinsam können wir Ausgrenzung überwinden und Gesundheit für alle möglich machen.