02.04.2026

Wenn Menschen ihre Geschichte selbst erzählen

Was passiert, wenn Menschen, die lange geschwiegen haben, selbst zum Mikrofon greifen, sich vor eine Kamera oder gar auf eine Bühne stellen? Wenn sie ihre Erfahrungen teilen – nicht als Betroffene einer Krankheit, sondern als Erzähler:innen ihres eigenen Lebens?

Aus genau dieser Idee heraus ist in Pakistan ein besonderer Film entstanden, der jetzt veröffentlicht wurde. Er ist Teil unseres Projekts „ILEP Gamechanger Challenge“, ein Projekt, das neue Wege geht: Menschen, die mit Lepra oder den Folgen daraus leben, erzählen ihre Geschichten selbst – mit Bildern, Worten, Musik und Emotionen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Krankheit, sondern der Mensch. Seine Perspektive. Seine Stimme.

Storytelling gegen Stigma

Stigmatisierung ist für viele Menschen, die von Lepra betroffen sind, eine schwere zusätzliche Last. Sie kann ausgrenzen, verletzen und das Selbstwertgefühl nachhaltig beeinträchtigen. Oft hält sie Menschen sogar davon ab, sich frühzeitig behandeln zu lassen. Aus Angst vor Ausgrenzung.

In Pakistan haben wir genau so ein Storytelling-Projekt im vergangenen Jahr durchgeführt. Menschen mit eigenen Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung wurden darin begleitet, ihre Erlebnisse kreativ zu verarbeiten und zu teilen. In Workshops entstanden künstlerische Beiträge, die offen zeigen, wie Stigma wirkt – und wie Begegnung, Austausch und Zuhören dabei hilft, Vorurteile abzubauen.

Die entstandenen Videos werden in Gemeinden gezeigt und online verbreitet. Sie schaffen Nähe, wo sonst Distanz herrscht. Und sie eröffnen neue Räume für Verständnis, Respekt und soziale Teilhabe.

Am Welt-Lepra-Tag 2025 wurde der entstandene Film gezeigt. Einige von Lepra betroffene Menschen traten vor großem Publikum selbst vors Mikrofon.
Tanz, Schauspiel, Kunst – jeder erzählt seine Geschichte auf seine eigene Art und Weise.

Ein Film, der berührt – und verbindet

Der jetzt veröffentlichte Film ist ein Ergebnis dieses gemeinsamen Prozesses. Er erzählt von Erfahrungen mit Stigma, aber auch von Mut, Gemeinschaft und innerer Stärke. Vor allem aber zeigt er, wie kraftvoll es sein kann, die eigene Geschichte selbst zu erzählen – und gehört zu werden.

Hier können Sie den Film in aller Ruhe ansehen:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Ein Film von Lucas Dülligen, Anil Fastenau, Malte Hafner und Elena Ubrig. In Zusammenarbeit mit unserem Partner Marie Adelaide Leprosy Center Karachi und Likvidace Lepry

Teil einer größeren Bewegung

Das Projekt in Pakistan steht nicht für sich allein. Die DAHW arbeitet schon seit mehreren Jahren mit partizipativen Storytelling-Ansätzen, um Stigma abzubauen und mentale Gesundheit zu stärken.

So haben wir ein ähnliches Projekt bereits in Indien umgesetzt, bei dem Menschen mithilfe partizipativer Videomethoden über Gesundheitsvorsorge und ihre Lebensrealitäten berichten.

Aktuell begleiten wir außerdem ein Storytelling-Projekt in Äthiopien, das zeigt: Im Erzählen liegt Heilung – für Einzelne und für Gemeinschaften:

Alle diese Projekte verbindet eine gemeinsame Überzeugung: Echte Veränderung beginnt dort, wo Menschen selbst zu Wort kommen.

Die "Storyteller", wie wir sie liebevoll nennen, sind uns ans Herz gewachsen. Es ist schön zu sehen, wie Menschen daran wachsen, wenn andere sich für ihre Geschichte interessieren. Sie sind für uns wichtige Botschafter:innen in der Lepra-Arbeit geworden.
Projekt-Spotlight
Klicken Sie auf Zum Projekt für nähere Informationen.

Gemeinsam können wir Ausgrenzung überwinden und Gesundheit für alle möglich machen.

Weitere News aus

20.03.2026
16.03.2026